Städtisches Wachstum durch Zuwanderung

Hallo Dortmund

Das Ruhrgebiet weist eine lange Geschichte der Migration auf, die nicht erst mit den Gastarbeitern der 1950er und 60er Jahre begann.
Tatsächlich aber war das Ruhrgebiet nicht nur ein Ort der Einwanderung, auch hier gingen Menschen fort, verließen ihre Heimat, um ihr Glück in der Fremde zu suchen: Im den hundert Jahren zwischen 1820 und 1920 verließen geschätzt 6 Millionen Auswanderer die deutschen Gebiete. Ein Großteil von Ihnen ging in die USA. Denn auch hier gab es damals Kriege, Hungersnöte und große soziale und politische Missstände. Die abgewanderten Arbeitskräfte sollten später in Deutschland fehlen.

Der im Ruhrgebiet beheimatete Bergbau bot schon früh Menschen aus nah und fernen Gebieten eine Perspektive: Sie kamen aus Hessen, aus dem Münsterland, Ostwestfalen, aus dem Rheinland und der Eifel um hier für sich und ihre Familien ihr Glück im Bergbau zu suchen.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts brachten Iren und Engländer ihr technisches Know-How ins Ruhrgebiet und trugen dazu bei, den Bergbau in die hunderte, ja tausende Meter tief liegenden Kohleflöze des nördlichen Ruhrgebiets zu bringen. Von ihrer Herkunft zeugen heute noch die irischen und englischen Namen mancher Zechen.

Mit dem rasenden Fortschritt der Industrialisierung kamen dann verstärkt Arbeiter*innen aus verschiedenen Regionen Europas ins Ruhrgebiet und nach Dortmund. Auch große Infrastrukturprojekte wie der Kanal-, Hafen- und Eisenbahnbau konnten nur durch zusätzliche Arbeitskräfte aus dem Ausland bewerkstelligt werden. Die Menschen kamen vornehmlich aus Italien, den Niederlanden und dem damaligen Österreich.

Nach Dorstfeld kam sogar eine heutige Berühmtheit, um dort auf der Zeche zu experimentieren und zu arbeiten: Zwischen 1860 und 1864 führe Alfred Nobel unter Tage Sprengstoffexperimente durch, die 1863 zur Entwicklung der Initialzündung führten und so zu einer größere Sicherheit beim Sprengen mit Nitroglyzerin beitrug. Nobel blieb jedoch nicht dauerhaft in Dorstfeld, er kehrte nach Stockholm zurück.


Quellen:
https://www.routemigration.angekommen.com/karte_erinnerungsorte.php
https://domid.org/angebot/aufsaetze/essay-migrationsgeschichte-in-deutschland/
https://www.bpb.de/gesellschaft/migration/dossier-migration/252241/deutsche-migrationsgeschichte
https://www2.klett.de/sixcms/media.php/229/DO01_3-12-430001_Kap5_online_sv56hj_Arbeitsmigration.pdf
https://www.muelheim-ruhr.de/cms/fruehe_einwanderung_nach_deutschland_1685_bis_1880_ein_zeitstrahl.html
https://www.jstor.org/stable/26419101?read-now=1&seq=1#page_scan_tab_contents (Bade, Klaus)
Weber, Wolfhard: Strukturwandel im Ruhrgebiet 1820 – 2000, in: Westfälische Zeitschrift 153, 2003, S. 71-73.